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Artikel 1

"Das Leben ist ein Geschenk"

Herausforderung Mukoviszidose: Manuela Ott hat ein Buch herausgegeben

Von unserem
Redaktionsmitglied
Uta Gerriets

Manuela Ott ist kaum ein Jahr alt, als der Gen-Defekt offenbar wird. Ihre voluminösen Häufchen, die auffallende Müdigkeit, vor allem aber der quälende Husten signalisieren die unheilbare und lebensbedrohliche Stoffwechselstörung Mukoviszidose. 'Bei dieser rezessiv vererbten Krankheit ist der Wassergehalt des Bronchialsekrets vermindert", schreibt sie drei Jahrzehnte später in ihrem Buch 'Die Chance meines Lebens".

'Die Reinigungsvorgänge der Lunge werden dadurch erheblich behindert. Zum einen verstärkt dies die Atmungsnot, zum anderen bildet der klebrige Schleim einen idealen Nährboden für Bakterien und Pilze. Durch die Viskositätsveränderung sämtlicher Körperflüssigkeiten sind auch die Bauchspeicheldrüse, die Gallenkanäle, die Leber und die Milz betroffen." 80 Prozent schwer behindert.

Kosmischer Lebensfunke 'Ich wollte mal Kauffrau werden", sagt die attraktive junge Frau mit den dunklen Augen. 'Aber ich wurde erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen." Seit der Transplantation ist Manuela Ott 100 Prozent schwer behindert. Doch ihr Leben ist 'ungewohnt leicht". 'Muss ich jetzt sterben?" 'Das weiß ich nicht." Mehr konnte der Arzt nicht sagen, als die Wahl-Budenheimerin 1996 mit einer schweren Lungenentzündung in der Klinik lag. Tatsächlich, so gestand der Mediziner später, glaubte er in jener Nacht kaum noch an eine Rettung. Doch Manuela hatte Gewissheit. 'Du schaffst das", versicherte ihr die innere Stimme. Diesen kosmischen Lebensfunken, das Licht zwischen Himmel und Erde, hatte sie während der Pubertät entdeckt. Es gab ihr die Kraft, mehr zu sein als 'die scheußlichen medizinischen Werte". Es wurde zum Geheimnis ihrer Ausstrahlung.

Grenzen der Medizin Abklopfen, trinken, Medikamente nehmen, unter dem Nebelzelt schlafen. Manuela war 14 Jahre alt, als sie sich der Schulmedizin widersetzte. 'Das ist wie eine Schlittenfahrt mit geschlossenen Augen", warnte ein Arzt. 'Du wirst an einem Baum landen." Zehn Jahre ließ dieser Baum auf sich warten. Als er 1992 plötzlich im Weg stand, bemerkte Manuela ihn wirklich nicht. Die naturheilkundlichen Verfahren, mit denen sich die angehende Heilpraktikerin therapieren ließ, wirkten nicht mehr. Erst an der Todesgrenze erschien ihr die 'Verbindung beider Medizinrichtungen" sinnvoll.

Ein paar Jahre später war sie sogar bereit, sich mit dem 'entsetzlichen Thema 'Transplantation " zu beschäftigen. 'Kann ich meine Lunge einfach so hergeben?" 'Wo ist die Narbe?" 'Welche Medikamente muss ich nehmen?" Fragen über Fragen. Nach einem Jahr auf der Transplantationsliste kam der Anruf an einem Nachmittag. Manuela saß an ihrem Esszimmertisch, ein Freund war zu Gast. 'Kurz vor 18 Uhr waren wir in der Klinik, um 22 Uhr begann die OP, um 3.45 Uhr kam ich auf die Intensivstation." 18 Tage später verließ Manuela das Krankenhaus, vier Wochen verbrachte sie in einer Rehaklinik.

Drei Monate nach der Operation bestieg sie in der Toskana den Altissimo-Berg, und der Tanzunterricht, der der Deutschen Meisterin im Jazztanz zum zweiten Standbein geworden ist, gehört längst wieder zum Alltag. 'Ich halte das Leben für ein Geschenk", sagt sie heute. 'Vor allem für Betroffene" hat Manuela ihr Geheimnis gelüftet und ein Buch über die 'Herausforderung Mukoviszidose" geschrieben. Eine höchst eindrucksvolle Dokumentation ihrer Geschichte - in Schule, Eltern- und Krankenhaus. Dass sie im Selbstverlag erscheinen konnte, verdankt die Autorin auch der Christiane-Herzog-Stiftung. Weil die verstorbene Frau des früheren Bundespräsidenten nicht mehr zu einem Grußwort kam, ist ihr das 350 Seiten starke Buch gewidmet.

Manuela Ott lässt sich nicht unterkriegen - trotz ihrer Krankheit widmet sie sich leidenschaftlich dem Tanzsport.Bild: privat

Allgemeine Zeitung, Mainz Verlags-Gruppe Rhein-Main, 08.12.2000

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