Manuela Ott konnte nur mit einer neuen Lunge überleben
Normalerweise lesen Sie in dieser Rubrik „Die Macher im Rhein-Main-Gebiet" etwas über herausragende Manager und gestandene Mannsbilder, die meist nach amerikanischen Idealvorstellungen eine Bilderbuchkarriere „vom Tellerwäscher zum Millionär" vorzuweisen haben. Aber weil weder wir von der Äppler-Redaktion, noch die Begebenheiten des wirklichen Lebens immer ganz normal sind, wollen wir Ihnen heute eine ganz besondere Frau präsentieren, die sich nicht ausschließlich durch ihren beruflichen Erfolg auszeichnet. Vielmehr handelt es sich bei Manuela Ott um eine Macherin der leisen Töne, die in beeindruckender und beneidenswerter Weise ihr schweres Schicksal meistert.
Manuela Ott war kaum ein Jahr alt, als der Kinderarzt der Familie
die schlimme Diagnose offenbarte: Mukoviszidose. Ein ständiger
und
vor allem quälender Husten, auffallende Müdigkeit des
Babys und ein auffallend voluminöser Windelinhalt hatten bei
den Eltern die Alarmglocken klingeln lassen. Bei der Stoffwechselerkrankung
Mukoviszidose handelt es sich um einen rezessiv vererbten Gendefekt,
der den Wassergehalt des Bronchialsekrets vermindert. Die Reinigungsvorgänge
der Lunge werden dadurch erheblich behindert. Zum einen verstärkt
dies die Atemnot, zum anderen bildet der klebrige Schleim einen
idealen Nährboden für Bakterien und Pilze. Durch die Viskositätsveränderungen
sämtlicher Körperflüssigkeiten sind auch die Bauspeicheldrüse,
die Gallenkanäle, die Leber und die Milz betroffen. Manuela
Ott war wie alle anderen Muko-Patienten zu 80 Prozent schwer behindert.
Bereits mit 14 Jahren merkte die heute 35-Jährige, dass sie
ein kürzeres Leben haben würde als ihre Altersgenossen.
Viele schlimme Lungenentzündungen, während denen sie manches
Mal dem Tod direkt in die Augen gesehen hatte, waren sozusagen totsichere
Anzeichen für die ständige Gegenwart ihrer Krankheit.
Trotzdem gelang es der willensstarken jungen Frau immer wieder aufs
Neue, die Symptome ihrer Krankheit vor der Umwelt zu verbergen.
1988 war die Tanz- und vor allem Tango-Begeisterte Deutsche Meisterin im Jazztanz, machte ihr Abitur und danach eine umfangreiche Ausbildung zur Heilpraktikerin. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag kam dann der schlimmste gesundheitliche Absturz. Während einer schrecklichen Lungenentzündung, die fast das Leben gekostet hätte wurde Manuela Ott klar, dass jetzt etwas geschehen musste.
Jahrelang hatte sie sich gegen den Gedanken einer Lungentransplantation
gewehrt. Besonders die ethischen Aspekte eines solchen Eingriffs
hatten sie von diesem Schritt abgehalten. Erst 1999, nach einem
langen gedankl-chen Reifeprozess hatte sich die chronisch Kranke
entschlossen: „Ich nehme die Herausforderung an". Mit
diesem Gedanken im Kopf und im Herzen fügte sie sich dem, was
nun auf sie zukommen sollte. Sie ließ sich auf die Transplantationsliste
setzen.
Fast ein Jahr später, an einem Nachmittag kam der Anruf, dass
nun eine passende Lunge zur Verfügung stünde. „Kurz
vor 18 Uhr waren wir in der Klinik, um 22 Uhr begann die OP, um
3.45 Uhr kam ich auf die Intensivstation" erinnert sich Manuela
Ott an den Tag der Tage. Nur 18 Tage nach dem fünfstündigen
Eingriff in der Mainzer Uniklinik verließ die Transplantierte
die Klinik. Drei Monate später bestieg sie den Altissimo-Berg
in Italien: „Ich musste mir jetzt etwas beweisen", erklärt
Manuela Ott dieses anstrengende und riskante Wagnis nach der Lungen-Transplantation.
Heute, zwei Jahre nach der Operation, gilt die junge hübsche
Frau zwar als 100 Prozent schwerbehindert, doch ihr Leben ist für
sie nach wie vor ein großes Geschenk. In ihrer naturheilkundlichen
Praxis in Wiesbaden behandelt sie vor allem andere Mukoviszidose-Patienten,
für die sie nicht nur medizinische Ratgeberin, sondern vor
allem auch ein Vorbild ist. „In der Ruhe liegt die Kraft",
unter diesem Motto versucht die beeindruckende junge Frau jeden
Tag aufs Neue, das Positive aus ihrer Krankheit ihrer Krankheit
zu ziehen. In ihrem ersten Buch „Die Chance meines Lebens"
beschreibt Manuela Ort die drei Jahrzehnte ihres Lebens als Mukovis-zidose-Patientin.
In ihrem neuesten Buch „Das Leben ist ein Geschenk" dokumentiert
sie in anrührender und sehr authentischer Art und Weise die
Stationen ihrer Lungentransplantation und ihr Leben mit einem fremden
Organ. Im Umschlag dieses Buches finden die Leserinnen und Leser
einen Organspenderausweis. Denn ohne einen Menschen, der Manuela
Ott seine Lunge gespendet hätte, würden Sie, liebe Äppler-Leserinnen
und -Leser, heute diesen Artikel nicht lesen können.
Zu bestellen sind beide Bücher, die übrigens der verstorbenen
Muko-viszidose-Verfechterin Christiane Herzog gewidmet sind, im
Internet unter www.manuela-ott.de oder unter Tel. 0611/3602935.